Rente oder Kapital? Gute Frage!
Soll ich mein Alterskapital oder eine Rente beziehen?
Gegen Ende des Berufslebens steht ein Entscheid an, der grosse Folgen hat: Weil es dabei sehr viel zu beachten gibt, ist eine professionelle Beratung empfehlenswert.
Der Trend ist eindeutig
Immer mehr Menschen beziehen bei der Pensionierung ihr Alterskapital aus der zweiten Säule und verzichten auf die Rente. Über ein Drittel lässt sich das gesamte in der Pensionskasse angesparte Geld aufs Mal überweisen; etwa ein Fünftel setzt auf eine Mischform, bezieht also einen Teil des Alterskapitals und eine kleinere Rente. Vor zehn Jahren waren es noch halb so viele Menschen wie heute, die das Kapital beanspruchten. Ein Grund für den Anstieg ist, dass die Renten immer unattraktiver werden, weil die Umwandlungssätze sinken (siehe dazu die untenstehende Box).
Diese Entwicklung sorgt dafür, dass offenbar viele denken: «Ich fahre besser, wenn ich mein Geld selber anlege.» Es fällt allerdings auf, dass vor allem Menschen mit sehr grossem oder sehr kleinem Alterskapital dazu neigen, sich alles auszahlen zu lassen. Wer viel hat, ist auf keine Rente angewiesen; und wer wenig angespart hat, würde eine so kleine Rente erhalten, dass diese vernachlässigbar erscheint. Weniger eindeutig ist die Sache vor allem für jene, die einen durchschnittlichen Lohn verdient haben.
Der Frage «Rente oder Kapital?» die nötige Bedeutung beizumessen, ist sehr wichtig – für die meisten Menschen ist das Alterskapital nämlich der grösste Besitz, den sie haben, damit sollten sie sorgfältig umgehen. Keinesfalls vergessen sollte man auch, dass der Entscheid für Rente oder Kapital endgültig ist und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Aus dem Bauch heraus sollte ein Entscheid von solcher Tragweite deshalb nicht gefällt werden.
Am besten beschäftigt man sich bereits einige Jahre vor der Pensionierung mit seiner finanziellen Zukunft. Erstens hat man dann noch Handlungsspielraum, zweitens gibt es Fristen zu beachten; viele Pensionskassen verlangen zum Beispiel, dass ein Kapitalbezug frühzeitig angemeldet wird.
Beginnen Sie doch damit, folgenden Fragen nachzugehen:
Vor- und Nachteile eines Renten- oder Kapitalbezugs
Rente
Kapitalbezug
Vorteile
- Sie trifft jeden Monat bis zum Lebensende ein. Wer lang lebt, erhält oft mehr, als er oder sie eingezahlt hat.
- Die Rente gibt Planungssicherheit: Man kann sie fix budgetieren.
- Man muss sich um nichts kümmern.
- Im Todesfall erhält der hinterbliebene Ehepartner eine Rente.
Nachteile
- Die meisten Pensionskassen gleichen die Teuerung nicht aus. Die Rente verliert also an Kaufkraft.
- Stirbt man früh, hat man mehr eingezahlt als bezogen – und kann nichts vom Alterskapital vererben.
Vorteile
- Sie haben Zugriff auf das gesamte Kapital.
- Sie sind unabhängig und selbstverantwortlich.
- Sie können sich mit einem Teil des Kapitals einen langgehegten Wunsch erfüllen.
- Sie können Alterskapital vererben.
Nachteile
- Viele Menschen können mit so grossen Summen nicht richtig umgehen. Es ist verführerisch, sich erst einmal mit dem vielen Geld ein paar Wünsche zu erfüllen. Doch das Kapital sollte für die Finanzierung des Alltags verwendet werden.
- Man muss sich um die Anlage des Kapitals kümmern. Die UKB verfügt über erfahrene Mitarbeitende, die Ihnen gern aufzeigen, wie Sie Ihr Alterskapital anlegen können und die Sie dadurch entlasten.
- Ihr Kapital ist den üblichen Unsicherheiten des Finanzmarkts ausgesetzt.
- Wenn Sie sehr lang leben, kann es sein, dass das Kapital aufgebraucht wird. Was dann?
In vielen Fällen empfiehlt sich eine gemischte Lösung: Man bezieht einen Teil des Kapitals – und erhält dann immer noch eine kleinere, aber bis ans Lebensende sichere Rente. Viele Fachleute empfehlen, dass fixe Ausgaben mit fixen Einnahmen gedeckt werden sollten. Mit Ihren Renten von der AHV und aus der Pensionskasse sollten Sie also Ihren Alltag bestreiten können; für Ferien usw. dient Ihnen dann das Geld aus dem Kapitalbezug.
Sie sehen: Die Frage «Rente oder Kapital?» lässt sich nicht allgemein und schnell beantworten – sondern nur individuell und nach sorgfältiger Prüfung vieler Faktoren. Geht es um das Erarbeiten eines persönlichen Pensionsplans, arbeiten wir mit Weibel Hess & Partner zusammen. Die Urner Kantonalbank führt regelmässig die kostenlose Veranstaltung «Pensionsplanung – für unbeschwerte Glücksmomente» durch. Weitere Informationen finden Sie hier.
Der Umwandlungssatz
Beim Umwandlungssatz handelt es sich um einen festgelegten Prozentsatz, mit dem die jährliche Rente aufgrund des Alterskapitals berechnet wird. Bei einem Alterskapital von 100'000 Franken und einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent resultiert eine Jahresrente von 6800 Franken. Das individuell angesparte Alterskapital besteht in der Regel aus zwei Teilen: Es gibt den obligatorischen Teil gemäss dem Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) – und den überobligatorischen Teil, dem zum Beispiel freiwillige Beiträge oder Lohnbeiträge oberhalb eines bestimmten Grenzwerts zugeschlagen werden. Mittlerweile gibt es Pensionskassen, die im Überobligatorium einen Umwandlungssatz von deutlich unter 5 Prozent anwenden. Die Folge: Wer eine halbe Million Alterskapital angespart hat und pensioniert wird, erhält heute im Durchschnitt monatlich etwa 500 Franken weniger als jemand, der 2010 in Rente ging.
Wie legt man sein Alterskapital an?
Alterskapital darf keinesfalls einfach auf dem Konto liegen, wo seine Kaufkraft nach und nach von der Inflation verringert wird, sondern muss klug angelegt werden. Zum Beispiel kann man zwei Töpfe bilden. In den ersten kommt jener Teil des Kapitals, der in den nächsten fünf bis acht Jahren benötigt wird. Dieses Geld wird sicher als Kontoguthaben, in Obligationen oder Festgeld angelegt. In den zweiten Topf kommt der Rest: Weil der Anlagehorizont länger ist und dieser die Risiken glättet, kann dieses Kapital renditeorientiert angelegt werden, also zu einem Teil auch in Aktien. Nach den ersten fünf bis acht Jahren wird das verbleibende Kapital wieder in zwei Töpfe aufgeteilt: Das Geld in Topf eins ist für die nächsten Jahre gedacht und wird sehr sicher angelegt, das Vermögen in Topf zwei für die spätere Phase soll Rendite abwerfen. Und so weiter.